Anori- Hulks kleine Schwester

Immer ein bisschen unter Strom und doch so bemüht zu gefallen
Immer ein bisschen unter Strom und doch so bemüht zu gefallen





*05.01.2013


Vater: Firion Whispering Wolf

Mutter: Jenny II od Uhoste 



unser Haudrauf, ist mein kleines Kummerkind.

Es wird schwierig ihre teilweise massiven Baustellen zu beschreiben, ohne den Eindruck zu erwecken sie wäre direkt der Hölle entstiegen, denn das wäre keinesfalls richtig und fair.


Anori hatte also in einigen Punkten nicht die besten Voraussetzungen für die optimale charakterliche Entwicklung.

Ich muss ehrlich sagen auch ich habe die Defizite die in den ersten elf Monaten entstehen können unterschätzt und gedacht, wenn sie mit Beyza und Mausi, die beide exzellent sozialisiert waren, mitläuft  wird das schon werden.


Anori hat sich schon beim Kennenlernen im Tierheim erstaunlich offen und freundlich präsentiert, auch Beyza und Mausi gegenüber. 

Unsere nächtliche Zwischenstation hat sie völlig unbeeindruckt und voller Elan erkundet. 

Daher habe ich sie als komplett  entspannten und offenen jungen Hund eingestuft. 

Ganz so einfach wurde es dann aber nicht.


Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass fremde Hunde ihrer Meinung nach keinerlei Berechtigung haben, ihr die Luft wegzuatmen. 


Allerdings haben wir für ihr unter anderem extrem territoriales Verhalten, hier auch wirklich ungünstige Voraussetzungen gehabt. 

In der Urlaubssaison immer wieder fremde Hunde direkt vor der Nase, das hat sie manches Mal ziemlich rot sehen lassen.

 

Tatsächlich ist die Verträglichkeit eigentlich unser einziger wirklicher Knackpunkt.

Also außer dass sie bei jedweder Wildsichtung den Windhund in sich entdeckt und gemeinsam mit den Waldbewohnern um ihr Leben rennt.

Dass sie alles geklaut hat, das nicht niet- und nagelfest ist um es zu fressen und dass der Begriff Beisshemmung für sie ins Reich der Mythen und Legenden gehört.


Sie würde noch heute beim Spielen Kali’s Kragen in einen Schweizer Käse verwandeln und schafft das manchmal  selbst mit dem Maulkorb, den sie auch zum Selbstschutz draußen dauerhaft trägt.

Aber außer mit der Verträglichkeit können wir mit allem ganz gut leben.


Das offene und lockere Wesen hat sich fix als Selbstschutz herausgestellt.

Nach dem Ableinen wieder an sie heranzukommen, war ein Akt der Unmöglichkeit.

Sie ist gehüpft und hat gespielt, alles versucht um die Situation für sich weniger unangenehm zu machen.

Aber anfassen war nicht mehr, nicht Mal für die leckersten Kekse, denn wer sich fangen lässt bleibt wieder sehr lange an der Leine hatte sie gelernt.


Anfassen wenn man irgendwas in der Hand hatte und sei es nur eine Packung Taschentücher, ging gar nicht und da hat sie ihr Misstrauen auch nicht mehr mit Albernheiten getarnt.


Impulskontrolle ist auch nicht so wirklich ihr Lieblingswort, wo es doch soviel mehr Spaß, macht in einem riesigen Bewegungsradius zu toben.

Obwohl sie mit Futter meistens durchaus käuflich ist.


Da sie prinzipiell keine grossen Probleme angezeigt hat, fiel sie für mich tatsächlich nicht in die Kategorie total traumatisiert.


Mit jedem Jahr und jedem Fortschritt, von dem mir vorher nicht bewusst war, dass wir Verbesserungsbedarf haben, fiel erst nach und nach auf, dass die Reihe von Fehlentscheidungen die ihr Leben bis dahin bestimmt haben eben doch sehr tiefe Kerben hinterlassen haben.


Kleinigkeiten, wie nach zwei Jahren, das erste Mal Kontakliegen fallen erst wirklich auf, wenn sie zeigt dass sie das eigentlich sehr gerne macht.

Anleinen obwohl sie es eigentlich nicht will, hat ungefähr fünf Jahre gebraucht um ausreichend Vertrauen aufzubauen damit sie trotzdem kommt.


Kleine Dinge sind so unglaublich viel mehr wert bei beziehungsweise mit ihr.

Sie nach gut einem Jahr, am Strand gut einsehbar und keine fremden Hunde in Sicht, freilaufen zu lassen und sie kam mehrfach und freudig auf Abruf zurück, war wirklich bewegend. 


Aber sie hat mich glaube ich, mehr Tränen und Nerven gekostet als die anderen drei zusammen. 


Sie hasst andere Hunde und das tut sie, wie ziemlich alles andere, mit Herz und Seele.  


Sie hatte Phasen da hat sie mich sehr genau beobachtet, um die zehn Sekunden zu erwischen in denen ich sie nicht im Fokus hatte.

Was eh schon schwierig ist wenn man sich auf Jungpferde und Reitunterricht konzentrieren muss.

Sie hatte mich im Blick,  um sich die Lücke im Gelände zu suchen und zu sich den Hund auf dem Gelände vorzuknöpfen  den sie sich  eben zu dieser Zeit ausgeguckt hat.


Ich bin jemand der definitiv die Verantwortung für seine Viecher übernimmt.

Aber dieses Wettrüsten mit Anori, das unglaublich schlechte Gewissen das ich hatte, auch wenn es zum Glück beim Schreck blieb, weil sie permanent den Maulkorb drauf hat und die verständlicherweise eher verstimmten Besitzer der anderen Hunde, haben mich an den Rand der Verzweiflung gebracht. 


Um Himmels Willen, das Letzte was ich möchte, ist dass andere Tiere nicht mehr ruhig schlafen können, weil ich es nicht schaffe dieses Ungeheuer im Wolfspelz bei mir zu behalten. 


Aber sie permanent angeleint zu lassen oder dauerhaft in den Zwinger zu packen war für mich auch keine Option.

Das hat sie nicht verdient und letztendlich sind ihre Probleme Menschengemacht, sowohl die genetischen, als auch die Erziehung die das eventuell hätte abmildern können. 


Somit war ich tatsächlich an einem Punkt an dem für mich eine Abgabe im Raum stand.

Zu einem Rüden, mit rundum abgesicherten Grundstück und ohne die Notwendigkeit fremde Hunde in ihrer direkten Umgebung ertragen zu müssen.


Aber wir erinnern uns, es ist eigentlich nicht mein Hund und damit ist dies eine Entscheidung die ich nicht in letzter Konsequenz treffen konnte.


Ich habe lediglich abgelehnt weiterhin die Verantwortung für sie zu übernehmen.

Ich habe als Bedingung gestellt, dass sie so ausgelastet wird, dass sie in der Zeit in der sie eigentlich in meiner Obhut ist im Zwinger sein kann.


Wo sie alles sieht, aber keinen Schaden anrichten kann.

Ihr ahnt es, dieser Zustand hat nicht lange angehalten, sie war totunglücklich und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil die beiden anderen natürlich nicht darunter leiden sollten und weiterhin volle Bewegungsfreiheit hatten.


Anori tut sich unglaublich schwer mit Veränderungen, sie ist hochsensibel und ein Hund der jede Stimmungsschwankung ernsthaft auf sich bezieht und sich das Unglaublich zu Herzen nimmt.


Hier gibt's immer wieder große up and downs und damit auch immer wieder Zeiten in denen sie mit sich überhaupt nicht ins Reine kam.

Zeiten in denen sie mit dem Frust irgendwohin musste und das waren die Intervalle in denen sie wieder kriminelle Energien entwickelt hat. 

Durch Anori habe ich verinnerlicht, mit einem Twh darfst du dich niemals sicher fühlen. 


Zäune die sie zwei Jahre oder sogar länger so akzeptiert hat, sind auf einmal kein Hindernis mehr.


Die Zeit als Mausi anfing abzubauen war hart für sie, plötzlich fing sie an Menschen kontrollieren zu wollen, die den Hof betreten haben.

Sie ist über das Tor um dem Hund am Fahrrad klar zu machen dass er aus ihrem Universum zu verschwinden hat. 


Also wieder nachbessern, wieder versuchen so aufzurüsten, dass sie eventuell lange genug innehalten muss um zu merken dass das eine blöde Idee ist.

Denn nachher weiß sie das, sie möchte keinen Stress, sie kommt nur manchmal nicht gegen die Stimmen in ihrem Kopf an.

Und das liegt definitiv auch in ihren Genen, einige ihrer Vollgeschwister haben ähnliche und teils noch deutlich massivere Probleme.


Aber ich baue, ich bemühe mich aufzurüsten, bevor sie die Lücke findet, ich kenne mittlerweile ihre Stimmungen ganz gut und weiß wann es nah dran ist sie zu überkommen.


Auch wenn es Außenstehende nicht nachvollziehen können; müssen sie auch nicht, besonders wenn sie das Glück haben einen Tut nix an ihrer Seite zu haben; bin ich unglaublich stolz, dass sie mittlerweile tatsächlich teilweise ansprechbar ist bei ihren Ausrastern.


Sie lässt sich immer öfter aus Entfernung abrufen und zwar bevor der andere Hund eigentlich mit seinem Leben abgeschlossen hat. 


Sie wird Zeit ihres Lebens den Maulkorb tragen, weil ich nie weiss, wann der Zaun der sie über Jahre am Übertreten gehindert hat, wieder mal aus ihrem Universum verbannt wird und der Weg nach draußen damit frei ist.


Aber ich bin unglaublich froh über jede Hirnzelle die sich in solchen Situationen nicht mehr komplett in den roten Bereich begibt und ich bin unglaublich traurig über jeden misstrauischen Blick den ich hinterher von ihr bekomme.


Ich bin bei so etwas schon lange nicht mehr wütend auf sie, ich bin einfach traurig, dass sie da immer noch nicht aus ihrer Haut kann.


Ich habe ein grenzenlos schlechtes Gewissen anderen Hunden und ihren Besitzern gegenüber, weil ich die Schwachstelle im System nicht zuerst entdeckt habe.

Die anderen muss nicht interessieren wieviel wir über die Jahre schon erreicht haben.


Ich bin enttäuscht und ein bisschen sauer auf mich selbst, weil ich das eventuell alles hätte etwas abmildern können, wenn ich von Anfang an hartnäckig daran gearbeitet hätte.


Aber ich bin auch stolz auf sie, mittlerweile kann sie mit Maulkorb und Schleppleine abgesichert, in Hundegruppen mitlaufen und lässt sich moderieren.


Sie kann mit anderen Hunden mit Pferd ins Gelände und die können an ihr vorbei ohne dass sie zu  Hulk mutiert.


Sie lässt sich abrufen, auch wenn sie meint es passiert was unangenehmes.

Sie liegt für den Ultraschall brav auf der Seite oder dem Rücken, obwohl sie innerlich gerade stirbt. 


Für ihre Verhältnisse haben wir so unglaublich viel erreicht, ganz oft ist sie total gelöst und albern und einfach nur gut gelaunt und unbeschwert.


Sie möchte mittlerweile arbeiten und lernen ohne dass sie sich unter Druck gesetzt fühlt.

Sie traut sich gefallen zu wollen ohne die Angst im Hintergrund ein schlechtes Feedback zu bekommen. 


Sie zeigt mir so oft, dass wir im letzten halben Jahr nochmal einen wahnsinnigen Sprung auf der Vertrauensskala gemacht haben und dafür bin ich ihr dankbar.


Sie ist und bleibt in beide Richtungen wahrscheinlich einer der intensivsten Hunde in meinem Leben.

Ich habe durch sie und mit ihr unglaublich viel gelernt, Fehler gemacht aus denen ich gelernt habe.

Ich habe in der Zeit mit ihr einiges an Unbeschwertheit in Punkto Hunde verloren, aber auch gelernt ihr Vertrauen als das grosse Geschenk anzusehen das es ist.


Mittlerweile ist sie sieben Jahre alt,  wird immer entspannter in vielen Bereichen, daher hoffe ich sehr auf mindestens noch sieben nicht ganz so    turbulente, dafür umso harmonischere Jahre mit dem nimmermüden Wirbelwind.